der winter schien hier eine generalprobe
veranstaltet zu haben,
vielleicht um zu sehen,
ob mit der verschneiung auch alles
funktionieren wuerde.
danach ueberliess er den suedhang wieder der sonne,
die die kleinen maengel sofort aufdeckte.
diese serie zeigt keine bilder eines bestimmten ortes.
sondern bilder einer jahreszeit.
an verschiedenen tagen, in verschiedenen gebieten aufgenommen,
war immer dieselbe frage dabei:
wie veraendert schnee das, was wir
zu sehen glauben?
der winter schien hier eine generalprobe
veranstaltet zu haben,
vielleicht um zu sehen,
ob mit der verschneiung auch alles
funktionieren wuerde.
danach ueberliess er den suedhang wieder der sonne,
die die kleinen maengel sofort aufdeckte.
im sommer faellt der blick auf die reben.
im winter auch auf den raum zwischen ihnen.
wie in einem roman, dessen bedeutung man
auch zwischen den zeilen suchen muss.
inmitten eines volkes von weinreben
steht ein einzelner baum.
die aeste talwaerts gerichtet,
als haette ihn der weinbauer
zum aufpassen abgestellt.
damit niemand aus der reihe tanzt.
der schnee verdeckt vieles.
aber nicht die ordnung,
die wir menschen
in die landschaft geschrieben haben.
ginge man den regeln dieser ordnung
auf die spur,
so wuerde man wohl an die grundfesten
des menschlichen daseins stossen.
dieselbe form.
hunderte male.
und doch keine einzige gleich.
nicht einmal der schnee,
fand eine moeglichkeit,
sie einheitlich zu bedecken.
ein weinberg, ja.
aber von unten betrachtet,
auch ein kunstvoll gebautes gewoelbe.
trotz des schnees
ruft dieses bild ein stueck kindheit
in mir wach:
bilder, duefte und gefuehle.
erinnerungen an ein leben
und an personen,
die es nicht mehr gibt.
so stark ist der eindruck,
dass mögliche andere bildbeschreibungen
davor verblassen.
hier wollte ich einfach wissen,
wie es aussieht,
wenn man dem motiv
ein wenig zu schnell
entgegengeht.
eine lange aufnahmezeit,
die kamera in bewegung.
und schon verlor die szene ihre konturen.
dafuer gewann sie an stimmung.
bereits im nachhausefahren,
sah ich die kleine kirche am strassenrand,
an der ich schon so oft vorbeigekommen war.
diesmal fiel mir jedoch etwas auf,
das ich noch nicht gesehen hatte.
ich musste das bild allerdings auf den kopf stellen,
um es zeigen zu koennen.
der kuerzeste weg
ist meist nur in der ebene der richtige.
am hang sind umwege haeufig die besseren abkuerzungen.
so gesehen wirken selbst haarnadelkurven
vernuenftig.
wuesste ich es nicht besser,
wuerde ich darauf wetten,
dass die strasse einen geschlossenen kreis bildete.
ich traue es uns menschen durchaus zu,
auch auf strassen, im kreis zu fahren,
schliesslich geschieht genau das
auch in der geschichte der menschheit
erschreckend oft.
der berg verlangt,
dass man jede kurve einzeln nimmt.
manche orte
muss man sich kurve fuer kurve verdienen.
eine idylle.
und zugleich
die narbe,
die wir
dem wald zugefuegt haben.
wir hinterlassen
nicht nur haeuser.
wir hinterlassen formen.
manche verschwinden.
andere werden zur landschaft.
der hang
gab die richtung vor.
der mensch fuellte sie mit linien.
jede linie
folgt der gleichen absicht.
der blick
gleitet hinab ins tal.
dort,
wo sich die haeuser
auf engstem raum
zusammenraffen.
vielleicht,
weil der mensch
den anderen sucht.
vielleicht aber auch,
weil ihm der berg
gezeigt hat,
wo seine grenzen liegen.