dem winter entgegen


eisacktal - januar 2013

diese serie zeigt keine bilder eines bestimmten ortes. sondern bilder einer jahreszeit. an verschiedenen tagen, in verschiedenen gebieten aufgenommen, war immer dieselbe frage dabei:

wie veraendert schnee das, was wir zu sehen glauben?

november 2011 - februar 2013
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reblandschaften
das suedtiroler landschaftsbild ist in tieferen lagen stark vom weinanbau gepraegt. rebstoecke, mauern und wege sind sorgfaeltig geplant und praezise ausgerichtet. kein meter wird ausgespart.

im spaetherbst und winter, wenn das laub verschwunden ist, tritt die graphische struktur der landschaft besonders deutlich hervor.

doch kein architekt oder kuenstler hat diese linien entworfen, sie ergaben sich einfach. aus der arbeit vieler menschen. jahr fuer jahr, ueber generationen.

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meran - november 2012
generalprobe

der winter schien hier eine generalprobe
veranstaltet zu haben,
vielleicht um zu sehen,
ob mit der verschneiung auch alles
funktionieren wuerde.

danach ueberliess er den suedhang wieder der sonne,
die die kleinen maengel sofort aufdeckte.



meran - februar 2013
zwischen den zeilen

im sommer faellt der blick auf die reben.
im winter auch auf den raum zwischen ihnen.

wie in einem roman, dessen bedeutung man
auch zwischen den zeilen suchen muss.

kaltern - januar 2012
der aufseher

inmitten eines volkes von weinreben
steht ein einzelner baum.
die aeste talwaerts gerichtet,
als haette ihn der weinbauer
zum aufpassen abgestellt.

damit niemand aus der reihe tanzt.

kaltern, st. josef am see - januar 2012
was bleibt

der schnee verdeckt vieles.
aber nicht die ordnung,
die wir menschen
in die landschaft geschrieben haben.

ginge man den regeln dieser ordnung
auf die spur,
so wuerde man wohl an die grundfesten
des menschlichen daseins stossen.

kaltern, st. josef am see - dezember 2011
formtreue

dieselbe form.
hunderte male.
und doch keine einzige gleich.

nicht einmal der schnee,
fand eine moeglichkeit,
sie einheitlich zu bedecken.


kaltern, st. josef am see - dezember 2011
gewoelbe

ein weinberg, ja.
aber von unten betrachtet,
auch ein kunstvoll gebautes gewoelbe.


kaltern, st. josef am see - dezember 2011
ueberwaeltigung

trotz des schnees
ruft dieses bild ein stueck kindheit
in mir wach:

bilder, duefte und gefuehle.
erinnerungen an ein leben
und an personen,
die es nicht mehr gibt.

so stark ist der eindruck,
dass mögliche andere bildbeschreibungen
davor verblassen.


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intermezzo
die ordnung der reblandschaften ist beeindruckend.
trotzdem konnte ich nicht widerstehen,
sie fuer ein paar aufnahmen
aus den angeln zu heben.


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kaltern, st. josef am see - dezember 2011
intermezzo 1 - neugier

hier wollte ich einfach wissen,
wie es aussieht,
wenn man dem motiv
ein wenig zu schnell entgegengeht.

kaltern, st. josef am see - dezember 2011
intermezzo 2 - stimmungsmache

eine lange aufnahmezeit,
die kamera in bewegung.

und schon verlor die szene ihre konturen.
dafuer gewann sie an stimmung.

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kaltern, st. josef am see - dezember 2011
die kirche schaut zurueck

bereits im nachhausefahren,
sah ich die kleine kirche am strassenrand,
an der ich schon so oft vorbeigekommen war.
diesmal fiel mir jedoch etwas auf,
das ich noch nicht gesehen hatte.

ich musste das bild allerdings auf den kopf stellen,
um es zeigen zu koennen.

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strassen-geometrien
in der verschneiten landschaft,
von oben betrachtet,
wurden strassen zu etwas besonderem.
der schnee machte sie sichtbarer als sonst.
und sonderbarerweise,
verlieh er ihnen
fast etwas lebendiges.

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eisacktal - januar 2013
abkuerzungen

der kuerzeste weg
ist meist nur in der ebene der richtige.

am hang sind umwege haeufig die besseren abkuerzungen.
so gesehen wirken selbst haarnadelkurven
vernuenftig.

bozen, st. magdalena - januar 2013
kreisverkehr

wuesste ich es nicht besser,
wuerde ich darauf wetten,
dass die strasse einen geschlossenen kreis bildete.

ich traue es uns menschen durchaus zu,
auch auf strassen, im kreis zu fahren,

schliesslich geschieht genau das
auch in der geschichte der menschheit
erschreckend oft.

eisacktal - januar 2013
geduld

der berg verlangt,
dass man jede kurve einzeln nimmt.

manche orte
muss man sich kurve fuer kurve verdienen.

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wohnlandschaften
jede landschaft erzaehlt zwei geschichten.

eine schrieb die natur.
die andere der mensch.

die interessantesten orte
sind jene, an denen sich beide
nicht widersprechen.


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eisacktal - dezember 2010
lichtung

eine idylle.

und zugleich
die narbe,
die wir
dem wald zugefuegt haben.


bozen, st. magdalena - dezember 2010
aneignung

wir hinterlassen
nicht nur haeuser.

wir hinterlassen formen.

manche verschwinden.
andere werden zur landschaft.

bozen, st. magdalena - dezember 2010
topographie

der hang
gab die richtung vor.
der mensch fuellte sie mit linien.
jede linie
folgt der gleichen absicht.


eisacktal - dezember 2010
wohnlandschaften 4 - sich behaupten

der blick
gleitet hinab ins tal.

dort,
wo sich die haeuser
auf engstem raum
zusammenraffen.

vielleicht,
weil der mensch
den anderen sucht.

vielleicht aber auch,
weil ihm der berg
gezeigt hat,
wo seine grenzen liegen.

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